Auf Conventions fallen oft zuerst die aufwendigen Kostüme ins Auge. Bei der Cosplayerin hinter dem Account jibril_cos war der Einstieg allerdings deutlich unspektakulärer. Sie erinnert sich daran, wie sie einen Charakter gesehen hat und ziemlich spontan entschieden hat, genau diesen umzusetzen. Viel Planung gab es dabei nicht.
„Ich hab den gesehen und war so, ja, der wird’s“, sagt sie und muss selbst ein wenig darüber lachen, wie einfach das im Rückblick klingt. Damals hing das noch stark mit dem Spiel zusammen, das sie zu der Zeit aktiv gespielt hat. Inzwischen ist das weniger geworden, der Bezug zu bestimmten Figuren ist aber geblieben. Vor allem dann, wenn Design oder Ausstrahlung hängen bleiben.
Ganz neu war das Thema Verkleiden für sie allerdings nicht. Schon früher gab es Berührungspunkte, eher nebenbei und ohne großen Anspruch. Anlässe wie Halloween spielten dabei eine Rolle, ohne dass sie das damals als Cosplay eingeordnet hätte. Einen ersten kleinen Wendepunkt beschreibt sie mit dem Kauf ihrer ersten Perücke auf der Leipziger Buchmesse. In dem Moment wirkte das unscheinbar, im Nachhinein sieht sie darin aber einen wichtigen Schritt.
Richtig Fahrt aufgenommen hat das Ganze später mit Genshin Impact. Besonders die Figur Xiao hat es ihr angetan. „Der hat mir einfach direkt gefallen“, sagt sie. Aus diesem ersten Eindruck wurde schnell mehr. Sie wollte den Charakter nicht nur mögen, sondern selbst darstellen. Damit wurde aus einer spontanen Idee ein Hobby, das sie seitdem aktiv verfolgt.
Beim Lesen bleibt sie vor allem im Manga Bereich, auch wenn sie hin und wieder auch zu Fantasy greift. Dieser Schwerpunkt prägt auch ihre Sicht auf Messen. Sie sieht es gelassen, wenn der Anteil an Manga und Anime dort schwankt, weil sie Bücher oft lieber in Ruhe im Laden kauft, ohne Zeitdruck oder große Menschenmengen.
Wer mit Cosplay anfangen möchte, dem rät sie, sich zunächst umzusehen. Social Media und Tutorials bieten viele Möglichkeiten, sich zu orientieren und erste Eindrücke zu sammeln. Gerade am Anfang sei es nicht nötig, viel Geld auszugeben. Spezialisierte Shops wie der Cosplay Shop Dokidoki seien teuer und für Einsteiger weniger geeignet, während einfache Bestellungen, etwa über den Online Marktplatz Amazon, für den Einstieg ausreichen, auch wenn die Qualität nicht perfekt ist.
Nähen oder aufwendiges Basteln sieht sie nicht als Voraussetzung. Solche Fähigkeiten entwickeln sich ihrer Erfahrung nach mit der Zeit. Austausch mit anderen spielt dabei eine wichtige Rolle. Inspiration holt sie sich gezielt bei erfahrenen Cosplayern ab etwa 200.000 Followern, die regelmäßig auf Messen unterwegs sind.
Vor einer Convention läuft bei ihr nicht alles nach einem festen Plan ab. Vieles entsteht kurzfristig. Manchmal werden Perücken erst ein oder zwei Tage vorher gestylt oder Details fertiggestellt, was dann auch mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann.
Vor Ort wird es dann ruhiger. Sie schaut, wer bereits da ist, schreibt mit Freunden und entscheidet oft spontan, wie der Tag weiter verläuft. Wichtig sind für sie vor allem grundlegende Dinge wie ausreichend trinken, essen und sich zwischendurch Pausen zu nehmen.
Wenn etwas nicht wie geplant läuft, versucht sie nicht lange, es selbst zu lösen, sondern wendet sich direkt an Anlaufstellen wie den Cosplay Repair Stand vor Ort. Das empfiehlt sie auch besonders Einsteigern.
Cosplay wirkt bei ihr insgesamt nicht wie etwas Perfektes oder vollständig Durchgeplantes. Es ist eher ein Prozess, der sich entwickelt hat, Schritt für Schritt, geprägt von spontanen Entscheidungen.
Für sie bleibt Cosplay vor allem eines: Freude am Ausprobieren.
Verfasst von Asuna Ehser und Tobias Schmidt
